Orbit360 Hamburg

Kurzfassung/Bestandsaufnahme:
Reine Fahrzeit: 10:56h
Fahrzeit inkl. Pausen und Platten: 13:20h
Das Bike: BERNER Cyclo-X mit 33mm Schwalbe X-One Speed
Verschleiß: 3 Schläuche, 5 Klebeflicken, 1 CO2-Kartusche
Ernährung: 9x800ml Flaschen mit Powerbar Isotabletten, 1 Cappuchino, 1 Franzbrötchen, 1 Schoko-Crossaint, 2 Oats Snacks, 2 Powerbar-Riegel, 2 Power Bar Gels
Zusätzliches: HVV-Ticket zur Überquerung der Elbe

Langfassung:
Wo soll ich anfangen, am besten ganz vorne – warum macht man so etwas… In Zeiten von Corona gibt es keine Rennveranstaltungen und dem einen oder anderen fällt es schwer, sich für Training zu motivieren. Bei mir war das zum Glück nicht so und ich bin viiiele Touren alleine und oft locker über 100km gefahren, auch mal 150 oder 180km mit dem Renner.
Und dann fing ein Bekannter mit dem Orbit-Hamburg an und ich überlegte mir die Runde auch mal anzugehen. Um den Reiz etwas zu erhöhen das Ganze natürlich offiziell (sozusagen mit Startnummer am Lenker) und einer Ergebnisliste 😛

Gesagt, getan. Am Samstag also noch schnell offiziell angemeldet und das Bike vorbereitet. Am Nachmittag ging es noch zu einer Familienfeier und leider viel zu spät nach Hause. Der Wecker klingelte viel zu früh und ich schlich leise aus dem Schlafzimmer, um meine Frau nicht zu wecken. Beim Frühstück mit Müsli und Kaffee kamen Zweifel, ob ich den Orbis heute wirklich fahren sollte. Strecke und die Umstände sind ja schon nicht ohne und ich war (außer 2x mal den Ötzi) noch nie über 200km gefahren, geschweige denn alleine! Am Ende dachte ich mir aber, wer es nicht probiert kann es auch nicht schaffen, also los!
Gegen 7:30 startete ich also am Müllberg Hummelsbüttel und verfuhr mich auf meinem „Hausberg“ natürlich gleich einmal. Das ging ja gut los. Danach lief es aber gut und vor allem noch über viele bekannte Wege.
Nach 85km in „Neuland“ dann der erste Platten. Ein 5cm langer Nagel ragte aus meine Hinterreifen, der Schlauch doppelt durchstochen. Egal, tauschen und weiter.

Nur ein paar Kilometer später erblickte ich eine Tanke direkt an der Strecke, das lud zur Pause ein. Also Kaffee, Brötchen und Getränke besorgt und ein paar Minuten verschnauft. Direkt danach weiter, ich wollte ja auch irgendwann wieder Zuhause ankommen.

Es folgt der Abschnitt durch die HaBe’s, wo ich dachte es wird schon recht hart. Aber da man die meisten Streckenabschnitte schon kennt, war es ehrlich gesagt halb so schlimm, auch wenn ich das erste Mal vor mit 33er Reifen unterwegs war. Weiter ging es flach, doch dann begann die Odyssee… Zweiter Platten in Moorburg… Zum Glück hatte ich noch einen Schlauch dabei. Doch bereits einige Kilometer später ließ der Reifen wieder Luft, obwohl der Schlauch doch neu war. Also wieder alles demontiert und die Klebeflicken herausgeholt. Schlauch 1 wollte mit dem Flicken nicht dicht werden und bei Schlauch 2 (der mit den zwei Durchstichen) waren die Löcher zu groß zum Flicken. Die ersten beiden vorbeifahrenden Rennradler hatten leider keinen neuen Schlauch für mich. Ich war kurz vor der Aufgabe, gab mir aber noch eine Schonfrist und setzte mich an die Straße in der Hoffnung, noch einen Schlauch ergattern zu können. Und kam er, mein Retter! Von meinen Rufen ein wenig erschrocken, landete er beim Bremsen sogar fast im Straßengraben. Vielen Dank noch mal für den Schlauch (wenn es auch ein Rennrad-Schlauch war), auch wenn ich nicht daran glaubte damit 90km nach Hause zu kommen.

Doch dann lief es. Zack war ich bei der Elbfähre und schnell übergesetzt.

Am Elbstrand entlang war allerdings eine Katastrophe… Gefühlt Tausende (!) Menschen am Strand und man mogelte sich schiebend/tragend durch die Menge. An den Elbhängen wurde es wieder ruhiger, dafür hügeliger. Zum Glück kannte ich den Bereich auch schon, somit war ich nicht ganz ohne Vorkenntnisse der Strecke.

Richtung Pinneberg und Schenefeld wurde es dann aber wieder flacher und ruhiger, allerdings durch meine Pannen auch bereits leicht dunkel (zumindest im Wald). Eine Tanke für eine zweite Pause suchte ich leider vergebens, sodass ich nur zwischendurch meine Flaschen auffüllen konnte. Zum Glück hatte ich genug Iso-Tabletten dabei.
Wieder im Stadtgebiet von HH angekommen ging es ab Stellingen endlich wieder in bekanntes Gebiet und ein Ende war mehr oder weniger absehbar. Doch die letzten 30km haben sich dann ganz schön gezogen – die Strecke am Flughafen entlang entpuppte sich doch als echt lang und danach war es sowieso nur noch ein Durchhalten. Aber schlussendlich kam der Müllberg Hummelsbüttel in Sicht und somit auch die virtuelle Ziellinie. Also noch mal alles aus den Beinen rausgeholt, komisch dass das überhaupt noch ging 😉 Meine Zieleinfahrt erfolgte gegen 21:30, man war das schon dunkel.

Im Anschluss habe ich kurz Zuhause angerufen und in drei knappen Worten vom Finish berichtet („Ich bin durch…“) und um Essen auf dem Tisch gebeten. Natürlich hatte die beste Frau der Welt schon alles vorbereitet und so konnte ich nach dem Duschen direkt mit der Nahrungsaufnahme starten. An Schlafen gehen war aber noch nicht zu denken, dafür war der Kopf noch zu sehr am Arbeiten. Als ich dann aber doch den müden Körper ins Bett geworfen hatte dauerte es wohl keine 3 Minuten, bis ich eingeschlafen war.
Fazit: Der Orbit-HH war ein Erlebnis, welches ich wohl nicht wiederholen werde. Ich werde die Tour wohl immer mit meiner Platten-Odyssee in Erinnerung behalten, ABER ich habe es geschafft und das ist schon heute, einen Tag später, Motivation genug!

Nils