Desert Dash 2017

Hallo, liebe Piraten,
ich weiß, dass ich mir lange Zeit gelassen habe mit diesem Bericht. Aber wenn man in ein Land wie Namibia fliegt, und dann noch zum größten Mountainbike Rennen, muss man lang überlegen, was man schreibt.
Es soll ja kein Urlaubsbericht über fünf Seiten werden der den Leser langweilt.  So werde ich den Bericht hauptsächlich auf das Rennen beschränken, auch wenn Namibia so ein geiles Land ist, das jeder einmal bereisen sollte.

Am 2. Oktober 2017 klingelte in aller Frühe das Telefon. Mit Sehschlitzen im Gesicht und schlaftrunken wackelte ich zum Telefon. Am Apparat war ein Mitarbeiter des Hubert-Schwarz-Zentrum (HSZ) mit denen ich schon am Fronleichnahmswochenende eine Rennrad Tour über die Alpen machte, falls ihr euch erinnert. Ich freute mich sehr über den Anruf, und glaubte kaum was ich da zu hören bekam. Man wollte mich für das Desert Dash in Namibia!!! Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht mal was das ist. Nach kurzer Erklärung und weil ja am Abend schon Meldeschluss war,  sagte ich sofort zu. Da waren sie, meine Probleme, kein Mountainbike, kein Reisepass und keine Ahnung.

Also kurz um, ich kaufte mir ein Bike, ließ mir einen Reisepass machen, und wartete, bis alles da war. Zu einer kurzen Erklärung: das Desert Dash Rennen ist ein Mountainbike Rennen von der Hauptstadt Windhuk nach Swakopmund, eine Distanz von 369 Kilometer die in 24 Stunden bewältigt werden muss! Das Rennen führt durch die älteste Wüste der Welt, die Namib.

Ungefähr sechs Wochen vor Abflug bekam ich mein Bike und versuche mich als Rennradler auf neuem Terrain. Die Hälfte der trainierten Touren stürzte ich, fror ich und blieb im Schlamm stecken, nicht so meine Welt. Aber ich biss mich da durch, wollte ich doch nicht wie ein Anfänger aussehen.

Zwei Wochen vor Abflug bekam ich auch den Pass, jetzt konnte nichts mehr schief gehen. Die größte Freude kam schon, als ich am Airport in Frankfurt eincheckte, einfach nur weg hier aus dem kalten Deutschland. Nach ca. 10 stündigem Flug landeten wir früh um sieben in Windhuk, bei angenehmen dreißig Grad. Die Tage bis zu Rennen sind schnell erklärt, vier Testtrainingsausfahrten, immer mindestens bis zum Kupferbergpass, dazwischen viel Essen, ein bisschen Sightseeing und Chillen am Pool, wenn zuhause alle frierend mit Glühwein am Weihnachtsmarkt stehen, Leiden geht anders…

Am Raceday war der Treffpunkt  in der Grove Mall of Namibia, dem größten Einkaufszentrum des Landes. Natürlich in der Tiefgarage, das die Starter nicht bis zum Rennbeginn um 15:00 Uhr in der Hitze stehen mussten.
Ich startete in einem 4er Team, das heißt in diesem Fall, das Team fährt die erste und letzte Etappe zusammen und dann jeder eine der sechs Etappen.

Der Start verlief nach dem Stau in der Ausfahrt der Tiefgarage ganz gut und das Feld streckte sich sehr schnell, da sah man sofort die Leistungsunterschiede.
Ich war etwas vor meinen Teamkollegen am ersten Checkpoint, und konnte mich in Ruhe verpflegen bis sie kamen, und ich weiter fahren konnte.
Ich fuhr die zweite Etappe dann allein, kam gut voran, und es machte sogar Spaß.

Tiefstehende Sonne im Gesicht, Staub und Dreck in der Luft und in der Abfahrt vom Uspass fuhr ich mit dem Vorderrad in ein Loch und ging geschmeidig über den Lenker ab.
Prellungen an Schulter und Hüfte, am Ellbogen und Knie die Haut ab, und ein schmerzendes Handgelenk waren die Folge davon. Kein Schaden am Rad und ich fuhr zittrig und voller Adrenalin zum zweiten Checkpoint, wo ich abgelöst wurde.
Ich hatte noch die Möglichkeit, den Lenker zu richten und meine Wunden einigermaßen zu reinigen, bevor es weiter ging zum Halfway Point. Die Nacht verlief unentspannt auf rumpligen Pisten, die auch im Begleitfahrzeug keinen Spaß machten, aber ich hatte Zeit zum Ausruhen, denn ich war erst in der letzten Etappe wieder dran.

Meine Teamkollegen brachten ihre Etappen auch gut und unfallfrei hinter sich, und am Morgen starteten wir dann gemeinsam zur letzten Etappe durch das schönste Stück der Namib bis nach Swakopmund. Felsige Landschaft, feinster Sand soweit das Auge reicht. Und wenn man im losen Untergrund stecken bleibt kippt man einfach um und liegt im warmen Sand, das war herrlich. Nach und nach verließen wir die Wüste und fuhren Richtung Strand und zum Ziel. Auf langen Holzpaletten war die Einfahrt zum Festzelt und ein Ende der Strapazen in Sicht. Eine dicke Medaille und ein kaltes Bier, auch in Afrika weiß man was sich Teilnehmer wünschen. Nach kurzem Frischmachen ging es dann zur Siegerehrung.
An Abend gönnte ich mir dann ein 700 Gramm Rumpsteak mit einem Fläschen Rotwein und die Welt war schön. Eines weiß ich sicher, ich war nicht zum letzten Mal in diesem Land, und wenn ich nochmal dort bin, fahre ich das ganze als Solostarter!!!

Viele Grüße aus den Süden der Republik,
Thomas Werthmann

 

 

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